Die Große Erzählung

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DIE GROßE ERZÄHLUNG


Von Mythos, Sprache und Identität


Im Diskurs um ethnokulturelle Identität und nationale Souveränität kommt seit jeher der Sprache eine besondere Bedeutung zu. Gemeinhin wird die Muttersprache als eines der wichtigsten Merkmale der gefühlten wie vermittelten Volkszugehörigkeit angesehen und das Erlernen einer fremden Sprache stellt wohl den wichtigsten Schritt im Assimilationsprozess an ein anderes Volk dar. Manche Ethnien mussten im Rahmen ihrer Unabhängigkeitskämpfe regelrecht „ihre Sprache wiederfinden“; so z.B. die Norweger, die jahrhundertelang unter dänischer Vorherrschaft standen und ihre eigene Sprache nur als wildwüchsiges Dickicht regionaler Dialekte bewahrten, aus welchen der Philologe Ivar Aasen Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue Schriftsprache, das Nynorsk („Neunorwegisch“), destillierte. Schon seit langem ist die Sprache nämlich auch gezielt als Mittel zur Bekämpfung ethnischer Gruppen und zur Etablierung von Machtverhältnissen gebraucht worden: Der besiegte Feind wird seiner Stimme beraubt und durch die Erziehung in der Sprache des Siegers dessen kultureller Herrschaft unterworfen.

Das selbe versuchen seit vielen Jahrzehnten die politischen Ideologien, welche durch gezielte Eingriffe in die Sprache ein Denken außerhalb ihrer ideologischen Dogmatik unmöglich machen wollen. George Orwell hat dieses Ansinnen bereits in seiner Vorstellung des „Newspeak“ perfekt illustriert. Nichts anderes ist heute in der moralischen Bevormundung durch „political correctness“ und sprachpolitischen Inszenierungen wie dem „Unwort des Jahres“ zu erkennen. Eine solche Strategie ist so perfide wie effektiv, weil die Einwirkung auf die Sprache unweigerlich einen Eingriff in das Denken mit sich bringt. Unsere Wahrnehmung der Welt und die intuitive Bewertung derselben hängt maßgeblich von den Worten ab, mit denen wir unsere Sinneswahrnehmung abstrahieren und in einem geistigen Prozess formulieren. In einer Sprache verkörpert sich deshalb stets auch eine bestimmte Art des Denkens und Fühlens, die in der Dichtung und Philosophie eines Volkes erkennbar zu Tage tritt. Dieser einzigartige Charakter einer Sprache bildet sich insbesondere in den Erzählungen ab, den Mythen, Märchen und Sagen einer Kultur, in denen der ganze Reichtum ihrer sprachlichen Ausdruckskraft zum Tragen kommt und durch die der gewaltige Schatz an gemeinsamer Erfahrung und Weltanschauung zum Ausdruck gebracht wird.

Das Leben in der Erzählung

Mit der Frage, welche Bedeutung die Erzählung für das menschliche Bewusstsein, die Ethik und das Zusammenleben entfaltet, beschäftigt sich auch der kanadische Psychologe Jordan B. Peterson. Der Lehrstuhlinhaber an der Universität von Toronto, dessen Denken stark von Autoren wie Carl Gustav Jung und Friedrich Nietzsche sowie von der eigenen Erfahrung des Ost-West Konflikts während des Kalten Krieges geprägt ist, untersucht in seinem Werk Maps of Meaning den elementaren Stellenwert der Erzählung und Charakterisierung für religiöse, ethische und ideologische Werte-Systeme. Er gelangt dabei zu der fundamentalen Erkenntnis, dass der Mensch der physischen Welt keineswegs als Objekt ausgeliefert ist, sondern sich als erkennendes Subjekt seine Wirklichkeit mithilfe der Sprache formt und gestaltet, indem er jene in Charakteren und Geschichten manifestiert und dadurch eine intuitive Hierarchie an Werten erzeugt („living inside the story“). Durch das Weitererzählen dieser Geschichten von Generation zu Generation entfaltet sich auf organische Weise eine traditionelle Überlieferung, welche das menschliche Erleben in sinnhafte Zusammenhänge einreiht, ihnen einen Wert zuweist und dem Leben so einen unabdingbaren Rahmen verleiht.

Einige dieser Erzählungen und Charaktere sind in unserer Seele so tief und fest verankert, dass sie praktisch überall zutage treten, wo der Mensch wirkt; Dies sind die Archetypen, von denen C. G. Jung schreibt. Auch Peterson hat in seinen Studien ein grundsätzliches System solcher ewiger Charaktere herausgearbeitet, das er allen menschlichen Erzählungen zugrunde legt: Er zeichnet die Erkenntniswelt des Menschen als Insel im Meer des Chaos, des Ungeformten, Unbekannten, Unbenannten, dessen Symbol der Drache ist. Der darin enthaltene Kosmos gliedert sich in drei Sphären, welche sich jeweils in zwei dualistische Aspekte teilen. Der erste Kreis ist die Natur, die Große Mutter, verkörpert durch das weibliche Prinzip. Ihr Kräfte sind Geburt und Wachstum neuen Lebens, doch auch die Katastrophe, Krankheit und Tod. In die Natur eingebettet liegt die Sphäre der Kultur, verkörpert durch das männliche Prinzip. Sie ist die menschliche Schöpfung, die sich als gütiger Vater oder grausamer Tyrann offenbart. Im Zentrum des Kosmos steht schließlich das Individuum, der Heros, der in sich Protagonist und Antagonist vereint. Sein Lebensweg ist das ewige Ringen mit dem Drachen des Chaos und die Suche nach dem aufrichtigen Weg zwischen Licht und Schatten.

Mythos und Ideologie

Am klarsten treten uns diese zeitlosen Gestalten im Mythos entgegen. In der mythischen Erzählung und ihren verspielten kleinen Geschwistern, den Sagen und Märchen, die jedes Menschengeschlecht kennt, verkörpert sich die instinktive Erfahrung und das Weltwissen von ungezählten Generationen und die geheimnisvoll strahlenden Akteure dieser Geschichten, ihre Helden, Götter und Dämonen, bergen in sich den Schlüssel zum ganzen Kosmos menschlichen Lebens und Leidens. Nicht ohne Grund ruht die abendländische Literatur und Geistesgeschichte auf den Schultern Achills, Odysseus’ und Antigones, deren Gestalten über Jahrtausende hinweg das europäische Denken prägten. Erst mit dem Siegeszug der „Vernunft“, der sich schon in Sokrates ankündigte, und dem Götzendienst am Altar der „menschlichen Erkenntniskraft“, den das 18. Jahrhundert aufführte, büßt die mythische Erzählung ihren essentiellen Stellenwert für die organische Vermittlung von Ethik und Erfahrung ein. An ihre Stelle tritt als rationalistischer Homunculus die Ideologie. In den neidvollen Gehirnstuben bildungsbürgerlicher Wort-Alchemisten ausgebrütet und durch Pamphlete und stürmische Reden unters hörige Volk gebracht erhebt sie den Anspruch, auf eigene Faust die Antworten entschlüsselt zu haben, an denen so viele vorige Geschlechter noch gemeinsam feilten und verzweifelten, und erzählt dabei selbst im besten Falle nur einen kleinen Teil dieser gewaltigen Geschichte. Für die Vermessenheit jener ideologischen Individuen und ihrer persönlichen Ressentiments, seien ihre Namen Robespierre, Marx oder Hitler, bezahlten die nachfolgenden Generationen mit millionenfachem Tod und maßloser Vernichtung.

Doch lässt sich das Erzählen als unveräußerlicher Ausdruck menschlicher Natur niemals aus der Geschichte hinwegdenken und nimmt deshalb auch nach der gewaltsamen Machtergreifung des Rationalismus weiterhin eine entscheidende Stellung in der Entwicklung des europäischen Denkens ein. Bereits das 19. Jahrhundert bediente sich wieder der schöpferischen Kraft des Mythos, um seine politischen Ziele in die Tat umzusetzen. Die frisch entstandenen Nationalstaaten nämlich erkannten schnell, dass zur Vereinigung eines zergliederten und in regionalen Stämme verstreuten Volkes ein großartiges Narrativ vonnöten ist, welches das Volk als schicksalhafte Einheit erzählt, sein gemeinsames Streben und Leiden abzeichnet und so die nationale Identität stiftet und erstarken lässt. Dies ist die Aufgabe der Nationalepen, die als Literaturgattung im 19. Jahrhundert hoch im Kurs standen. Das Nationalepos hat in der Tradition der menschlichen Erzählungen eine besondere Stellung inne. In ihm verbinden sich die instinktive Urkraft des Mythos und die wissenschaftlich-philosophische Disziplin der Geschichtsschreibung zu einer harmonischen Einheit. Durch die Verbindung von mythischer Urgeschichte und sichtbarer Zeitgeschichte stellt die nationale Erzählung eine Kontinuität zwischen den archetypischen Göttern bzw. Helden und den greifbaren historischen Persönlichkeiten her und stellt die geschichtliche Existenz des Volkes so in Zusammenhang mit den zeitlosen Kräften von Natur und Kultur. Das konkrete Volk wird dadurch zum Phänomen ewiger kosmischer Auseinandersetzungen und erfährt seine Legitimation als einzigartiger Ausdruck der großen menschlichen Geschichte.

Die Geschichte der Völker

Wir kennen zahlreiche solcher nationaler Erzählungen und diese treten auch bei weitem nicht erst seit der Moderne auf. Als erstes Nationalepos Europas kann dabei wohl Homers Ilias gelten. Zum ersten Mal treten uns hier die griechischen Stämme als Volksgemeinschaft entgegen, vereint durch gemeinsame Sprache und Kultur, behütet durch die selben Götter und verbunden im großen Feldzug gegen den gemeinsamen Feind Troja. Der Dichter des Epos legt ein besonderes Augenmerk darauf, die hellenischen Helden als historische Persönlichkeiten darzustellen, deren Stammbäumen, Verwandtschaftsbeziehungen und ruhmvollen Taten er zahlreiche Verse widmet. Das versammelte Heer der „Achaier“ wird so zum Abbild der gesamten hellenischen Stämme in ihrer ethnischen Verbundenheit und zum strahlenden Vorbild für die weitere geschichtliche Existenz der Hellenen. So beendete die Niederschrift der homerischen Epen die „dunklen Jahrhunderte“ nach Mykene, indem es den Griechen eine gemeinsame, tief in der mythischen Welt wurzelnde Identität vermittelte und durch seine Sprache zum Nährboden der gesamten griechischen Dichtung und philosophischen Bildung wurde. Damit entfaltet das Epos eine elementare Funktion für die abendländische Identität und war bereits in der antiken Welt weithin bekannt und hoch geschätzt. So knüpfte auch der römische Dichter Vergil in seiner Aeneis an die Erzählung vom trojanischen Krieg an, wobei er den trojanischen Prinzen Aeneas zum Stammvater des römischen Geschlechtes machte. In Verbindung mit der Sage von der Gründung Roms durch die Brüder Romulus und Remus entsteht so ein glanzvoller Gründungsmythos, der das römische Volk in die Tradition der großen Helden und Götter seiner Zeit stellt.

Wie wir sehen, unterscheidet sich das Nationalepos vom Mythos meist dadurch, dass es als Schöpfung eines konkreten Dichters erkennbar ist oder jedenfalls als solche rezipiert wird. Das trübt seine ursprüngliche Wirkung jedoch kaum, da die Persönlichkeit des Dichters hier regelmäßig in den Hintergrund tritt; der Künstler erscheint lediglich als Medium, das mithilfe der Sprache die Geschichte seines Volkes sichtbar macht und sie zur Geltung bringt. Sein Werk ist die Form, der Inhalt aber hat unveräußerlichen Charakter und ist nicht dem Dichter zu eigen, sondern dem Volk, zu dem er spricht. Ein weiteres Beispiel für ein solches, überaus erfolgreiches Werk nationaler Dichtung ist das persische Schāhnāme des mittelalterlichen Dichters Firdousi. Mit diesem gewaltigen Epos, mehr als doppelt so lang wie die Ilias, erzählt jener die Geschichte der arischen Könige Persiens vor der Eroberung durch die muslimischen Araber im 7. Jahrhundert. Dabei legte der Dichter besonderen Wert darauf, seine Sprache rein von arabischen Einflüssen zu halten, und setzte damit nicht nur ein deutliches politisches Zeichen gegen die fremden Eroberer, sondern schuf darüber hinaus ein einzigartiges Referenzwerk der persischen Sprache, das bis heute unangefochten als dessen Fundament gilt. Schließlich kann in diesem Zusammenhang auch das finnische Kalevala genannt werden, das der Philologe Elias Lönnrot im 19. Jahrhundert aus traditionellen finnischen Volksdichtungen („Runen“) zusammenstellte und mit dem er maßgeblich die nationale Identität der Finnen prägte, die in ihrer Geschichte immer wieder unter der Fremdherrschaft Schwedens oder Russlands gestanden hatten.

Die Deutschenfrage

Ein wesentlicher Grund dafür, dass gerade bei den Deutschen „die Frage ‘Was ist deutsch?’ niemals ausstirbt“ (Friedrich Nietzsche), mag darin liegen, dass es unserem Volk bis heute nicht recht gelungen ist, zu einer eigenen Großen Erzählung zu finden, die als positive Stütze einer gemeinsamen deutschen Identität dienen könnte. So verbindet die deutschsprachigen Stämme Mitteleuropas zwar zweifelsohne eine lange gemeinsame Geschichte, doch scheint alleine das gemeinsame historische Schicksal nicht ausreichend, um dauerhafte ethnische Identität zu stiften. Denn dem bloßen geschichtlichen Rückblick fehlt eben jenes sagenhafte, erzählende Element, das uns auf einer tieferen Ebene anspricht, und die mythopoetische Rückbindung an zeitlose Bilder und Charaktere. Zudem ist die deutsche Geschichte, vom Heiligen Römischen Reich über die Reformation bis hin zum Deutschen Kaiserreich, wie kaum eine andere geprägt von internen Konflikten und kriegerischer Auseinandersetzung. Wesentlich effektiver wirkte da bereits die Besinnung auf den gemeinsamen Befreiungskampf gegen die Fremdherrschaft unter Napoleon, für den man im furchtlosen Widerstand des Cheruskerfürsten Arminius gegen Rom ein heroisch-historisches Vorbild fand. Doch bleibt auch dieses Narrativ in seiner jeweiligen Zeitepoche verhaftet und ist letztlich nicht geeignet, über seine historischen Zusammenhänge hinaus unveräußerliche Identität zu stiften.

So versuchte man im 19. Jahrhundert, das größte mythisch-poetische Werk deutscher Sprache, das Nibelungenlied, in den Rang des deutschen Nationalepos zu erheben und kam der Sache damit zumindest einen Schritt näher. Insbesondere die Opern Richard Wagners trugen mit ihrer ästhetischen Verarbeitung des deutschen Sagenstoffes zur Vermittlung einer mythisch verwurzelten nationalen Identität bei und auch Nietzsche meinte in jungen Jahren noch, in diesen Werken die „Wiedergeburt des deutschen Mythus“1 zu erkennen. Auch Fritz Lang hat mit seiner Verfilmung des Nibelungenstoffes im Jahr 1924 versucht, die Sage von Siegfried und den burgundischen Königen als authentischen Ausdruck des deutschen Wesens zu zeichnen und damit ein epochales Meisterwerk der Filmgeschichte erschaffen. Er stellt dabei vor allem die mittlerweile sprichwörtliche „Nibelungentreue“ der burgundischen Krieger als besondere deutsche Tugend dar, die ihnen gleichsam zur Ehre gereicht und sie zum Tode verurteilt. Und tatsächlich scheint mir jenes rücksichtslose Festhalten in der Treue zur eigenen Sache, dieses beherzt tragische „Ich stehe hier und kann nicht anders!“ bis ins feurige Verderben, als eine Eigenschaft, die die Deutschen immer wieder ausgezeichnet hat, im Guten wie im Schlechten. Doch scheitert auch das Nibelungenlied letztlich als nationaler Mythos, weil es eben nicht die Geschichte des Volkes erzählt und sich die Burgunder nur schlecht als Repräsentanten aller deutschsprachigen Stämme und ihrer Geschichte heranziehen lassen. Hinzu kommt, dass der Stoff der Sage auch den nord- und westgermanischen Stämmen durchaus bekannt ist und deshalb kaum als exklusive Erzählung der Deutschen gelten kann.

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“Ihr kennt die deutsche Seele nicht…”

Schuld und Sühne

Eine wirklich wirksame, gesamtdeutsche Erzählung begegnet uns paradoxerweise tatsächlich erst in der nationalsozialistischen Ideologie. Deren biologistische Überhöhung der deutschen Stämme zur „Herrenrasse“ und das Narrativ von der Vormachtstellung in Europa und der „Auserwähltheit“ im Kampf gegen Bolschewismus und jüdischen Einfluss schuf ein außerordentliches Gefühl von exklusivem deutschen Schicksal und war geeignet, die Deutschen zu motivieren, sich mit voller Gewalt in den grausamsten Krieg ihrer Geschichte zu werfen. Und tatsächlich ist auch der heute gültige Gründungsmythos der Deutschen nichts anderes als die konsequente Fortführung jenes Narrativs, jedoch um 180° gewendet und gegen sich selbst gerichtet: Es ist die Erzählung von der unermesslichen Schuld des Deutschen Volkes, die es von allen anderen Völkern abhebt und die von jeder Generation neu geschultert werden muss. Die Wahrzeichen und Mahnmale dieser Erzählung sind die Konzentrationslager, ihre große gemeinsame Aufgabe ist das Abtragen der Erbschuld in humanitärer Selbstaufgabe, der große gemeinsame Feind sind – wir selbst. Diese Erzählung kennt tatsächlich jedes deutsche Kind von den Alpen bis zur Nordsee, sie erhebt einen exklusiven Geltungsanspruch für unser Volk und stellt womöglich den wirkmächtigsten Einfluss auf die kollektive Psyche der Deutschen dar – vereint in der Verachtung des Eigenen. Doch auch dieses Narrativ kann schon seinem Wesen nach niemals für Beständigkeit sorgen und neigt sich deshalb langsam aber sicher seinem Ende zu.

Wie mag wohl die Zukunft unsere Geschichte weitererzählen? Gibt es für die Deutschen noch eine positive Identität jenseits von wahnhafter Selbstüberhöhung oder pathologischem Selbsthass? Haben wir noch einen Mythos in uns? Die Antwort auf diese Fragen dämmert gerade erst am Horizont herauf und ich ahne, dass das 21. Jahrhundert dabei ein entscheidendes Urteil über uns fällen wird. Doch scheint mir, dass die nächste Große Erzählung, die sich bereits im Rosenmantel der Eos ankündigt, eine Erzählung von Europa sein wird. Alle Zeichen sprechen dafür. Die gewaltigen Bewegungen, die uns herausfordern und wieder vor existentielle Fragen stellen, betreffen alle Söhne und Töchter der europäischen Völker gleichermaßen. Über Himmelsrichtungen und Ozeane hinweg stehen wir den selben schicksalhaften Bedrohungen gegenüber und ich meine, dass wir ihnen nur in Einigkeit entgegentreten werden können. Es wird das junge Europa sein, verstreut auf der ganzen Welt, das sich entweder endgültig dem Nichts ergibt, oder aber erneut Verantwortung für sein eigenes Schicksal übernimmt und damit die Große Geschichte der Europäer weitererzählt, deren einzelne Kapitel die Mythen seiner Völker sind.


1 Friedrich Nietzsche, Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik, Kapitel 23.

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