Gedanken zur Identität – I

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GEDANKEN ZUR IDENTITÄT


Teil I


Eine Identität kann als das Sich-in-Beziehung-setzen des Einzelnen zu einer Gruppe verstanden werden.1 Das Bezugnehmen ist dabei nicht nur auf die geistige Ebene begrenzt und kann durch den Gebrauch von gemeinsamer Symbolik (zumeist auf Textilien), Sprache, Bräuchen oder Speisen eine physisch greifbare Dimension erfahren. In unserer vom Konsum getriebenen und vom Materiellen geleiteten Gesellschaft muss die Frage gestellt werden, welche Identitäten falsch, austauschbar und wenig substanziell sind und welche als wertvoll zu bezeichnend sind.2 Da eine Identität immer eine Gruppierung als Bezug braucht und nur durch die Rückmeldung aus dieser entstehen kann, sind Identitäten, welche eine Legitimierung von außerhalb der Gruppe bedürfen, als wenig wertvoll einzustufen. Bei diesen scheint die Bindung zwischen dem Einzelnen und der Gruppe augenscheinlich nicht stark genug zu sein.

Insofern ist es weiterhin interessant, danach zu fragen, welche Identitäten von unseren europäischen Staaten und Gesellschaften als akzeptiert gelten, obwohl sie teilweise zu Problemen innerhalb des jeweiligen Staatsvolkes führen. Als Beispiel hierfür wäre der gewaltbereite Teil der Fußballfans anzuführen und im selben Atemzug muss auch der gewaltbereite Anteil der muslimischen Gemeinschaft genannt werden. Warum Letztere trotz der zahlreichen Todesopfer durch terroristischen Anschlägen immer noch als akzeptiert gelten, muss an anderer Stelle diskutiert werden. Eine bündige Erklärung lässt sich auch bei Jack Donovan2 finden. Es soll jedoch festgehalten werden, dass unterschiedliche Mechanismen und Denkstrukturen für die beiden genannten Beispiele zur Geltung kommen. Bei den Fußballfans ist es weiterhin interessant anzumerken, dass deren “wir-gegen-die” Mentalität trotz ihrer austauschbaren – da rein auf Äußerlichkeiten fixierten – Grundlage ein solches Gewaltpotential innewohnt, was unweigerlich vor Augen führen sollte, dass der Mensch händeringend nach einer Identität sucht.

Nun aber zu der Frage, welche Identitäten als substanziell zu betrachten sind. Solche müssen immer an für den Menschen “unveräußerliche Güter”3 geknüpft werden, damit sie für den Einzelnen überhaupt von Wert sind. So kann zum einen das Vermögen zur Sprache an sich aufgezählt werden. Also jene Eigenschaft, welche uns von der restlichen Tierwelt trennt und daher als integraler Bestandteil des Menschseins genannt werden muss. So lässt es uns regelrecht krank werden, wenn der Gebrauch der Sprache unterbleibt, entscheidend reduziert oder diese gar nicht mehr erfahren wird. Zum anderen ist es die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe, welche dann als Identität durch das Aufwachsen in der jeweiligen Gemeinschaft gefestigt werden kann. Alain de Benoist spricht hier von einer “Verortung” des Einzelnen vor einem kulturellen, geschichtlichen und ethnischen Hintergrund. Es ist offensichtlich, dass dieser Identifikationsprozess ausbleibt, wenn die jeweilige Gemeinschaft diesen nicht mehr als einen essentiellen und an seine Nachkommen weiter zu reichenden Wert betrachtet und jene Identität gleichzeitig dekonstruiert und attackiert wird, wo es nur möglich ist. Dann wird der Einzelne die gemeinschaftlichen Bräuche als leer und inhaltlos empfinden. Die Basis für diese Identifikation lässt sich jedoch nicht angreifen, sie ist unveränderlich. Man kann sie weder wegnehmen – zumindest kann sie nur zusammen mit dem Sein, dem Leben entrissen werden -, noch kann zu ihr hinzuaddiert werden, sobald sich ein Mensch in dieser Welt verortet hat. Exakt dieser Umstand ist es, der die ethnische Zugehörigkeit zu einem für den Menschen unveräußerlichen Gut macht und den Völkermord als eines der abscheulichsten Verbrechen kennzeichnet.

Abschließend soll konstatiert werden, dass eine sinnvolle, wertbringende Identität nur auf der Grundlage eines stabilen Wurzelgeflechts erbaut werden kann und ein ebensolches wurde hier dargestellt. Die Frage nach dem Sinn einer Identität muss trotz ihrer Angreifbarkeit gar nicht erst gestellt werden, denn es liegt in der Natur des Menschen, sich mit anderen in Beziehung setzen zu wollen.

⇒ Gedankenarchiv

geschrieben für die Identitäre Bewegung


1 Alain de Benoist: Wir und die anderen, aus dem Französischen übersetzt von Silke Lührmann, Junge Freiheit Verlag, Berlin 2008.

2 Jack Donovan: Becoming a Barbarian, Dissonant Hum, Milwaukie 2016.

3 Ernst Jünger: Der Waldgang, Klett-Cotta, Stuttgart 2014.

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